Samstag, 31. Mai 2008

Jon Jerde - Der Mann hinter den geschwungenen Fassaden

Hab ichs doch gewusst!

Sowohl Nanba Parks in Osaka als auch Canal City in Fukuoka entstammen der gleichen Architekten-Feder. Und zwar keiner geringeren als der von Jon Jerde und seinen Mitarbeitern.

Zugegeben, der Name sagte mir vorher nichts. Aber ich kenn ja auch sonst keine Architekten beim Namen. Wenn man sich nun anschaut, dass zum Beispiel das berühmte Casino Bellagio in Las Vegas (1998) zu seinen Arbeiten zählt, kann man sich schon eher ein Bild machen. 1977 begann Jerde seine Arbeit mit der Gestaltung des Horton Plaza Centers in San Diego (Bild rechts). Seitdem hat er weltweit zahlreiche Einkaufszentren erarbeitet. Darunter auch die Mall of America (1992), das laut Wikipedia meist besuchteste Einkaufzentrum der Welt. Ich denke, das spricht für sich. Im Internet finden sich zahlreiche Artikel zu seinem Schaffen, die zu lesen es einiger Zeit bedürfte. Fakt ist, dass seine Art Einkaufzentren zu designen die Verbindung zwischen Tourismus und Einkaufen maßgeblich beeinflusst hat. Und auch wenn alles sehr künstlich und verspielt wirkt, so verfehlt es doch nicht seine Wirkung: Den Besucher zu unterhalten. Man darf gespannt sein, ob es früher oder später auch in Deutschland eine von Jerde gestaltete Shopping Mall geben wird. Bisher konzentriert sich sein Werk eher auf die USA und die asiatischen Länder. Nun gut - für einen kurzen Abstecher in die Welt der Architektur soll das aber erst einmal genügen.

Freitag, 30. Mai 2008

Erdbeben und moderne Architektur in Fukuoka

Einen Tag hatte ich heute Zeit Fukuoka, die größte Stadt Kyushus (1,3 Mio Einwohner), zu besichtigen, bevor es morgen in den hohen Norden geht.


So langsam wirkt es vielleicht unglaubwürdig, aber auch diese Stadt hat es mir angetan. Möglicherweise liegt es auch am Kontrast zwischen Stadt und Land. Wenn ich nach einer Woche Dorf mal wieder Hochhäuser, Autos, Kaufhäuser und viele Menschen zu sehen bekomme, ist das immer auch eine Art Erleichterung. Hier ist man unabhängig, kann tun und lassen, was man will. Man kann kaufen und essen, wonach einem der Sinn steht. Nicht dass es bei den Hostfamilien schlecht wäre. Die haben dann wiederum andere Vorzüge, von denen ich in der Stadt nichts mitbekommen würde. Die Mischung machts!

Mein erster Tagesordnungspunkt hieß heute "Erdbeben" - und das bei Stärke 7. Keine Sorge. Mir gehts gut und alles war nur eine Simulation im Disaster Prevention Center. Hier habe ich darüber hinaus geübt mit einem Feuerlöscher umzugehen und auch einen kleinen Türen-Irrgarten durch mit Rauch und Gas gefüllte dunkle Gänge habe ich absolviert.



Diese Zentren gibt es häufiger in Japan und gerade als Gaijin (=Ausländer), der das alles nicht von klein auf kennt, ist es vielleicht ganz nützlich zumindest die Grundlagen zu wissen: Untern Tisch kriechen, Kopf schützen, Gas abdrehen (hier wird fast nur mit Gas gekocht) usw. Sehr lehrreich.

Danach blieb mir nicht mehr viel Zeit und ich habe mich entschieden, ins Stadtmuseum zu gehen. Die haben mir schon in Osaka und Nagasaki ganz gut gefallen. Hier allerdings hatte ich den Eindruck am meisten gelernt zu haben. Der Fokus lag auf ganz alter Geschichte und der Beziehung Fukuokas zum Festland. War gar nicht mal so unspannend und durch die zahlreichen Exponate und Erklärungen auch sehr plastisch.

Am auffäligsten hier in Fukuoka finde ich die moderne Architektur, die durch verspiegelte Fassaden und geometrische Formen geprägt ist. Auf mich wirkte es sehr verspielt und ich konnte den Fotoapperat kaum aus der Hand legen.
Am Abend war ich in Canal City. Einem Einkaufszentrum, durch das ein künstlicher Kanal fließt. Auch hier wieder: Moderne ideenreiche Architektur.


Wobei es doch die gleiche Handschrift ist wie schon in Nanba Parks in Osaka. Das müsste man direkt mal rausfinden.

Zum Abschluss des Tages gabs die lokale Ramen-Spezialität. Eigentlich wollte ich ja auch noch ins Kino. Aber die Startzeiten für die Filme waren einfach unmöglich. Nicht dass da mal um 20 Uhr ein paar Filme losgehen würden. Nein, 17:45, 19:15, 21:30, ... Tausend verschiedene dämliche Zeiten. Naja. Das nehm ich mir dann mal für Sapporo vor. So schaut das aktuelle Programm in Japan aus. Man hängt ein wenig hinterher:

Donnerstag, 29. Mai 2008

Reinlichkeit

Ich habe länger darüber nachgedacht, ob ich dieses Thema hier im Blog ansprechen soll. Eigentlich widerstrebt es mir zu verallgemeinern und nach sechs Hosts ist es vielleicht auch nicht angemessen, von "den Japanern" zu sprechen. Aber es muss einfach mal raus! Was mir aber immer wieder auffällt ist das mangelnde Hygienebewusstsein im Haushalt. Während ich die Räume, in die Besucher kommen, meist pickobello ordentlich und sauber vorgefunden habe, ist mir in Küche und Bad oftmals das kalte Grausen gekommen. Mal mehr mal weniger schlimm. Ich verzichte an dieser Stelle mal lieber auf Bilder.
Möglicherweise bin ich es von zu Hause wirklich sehr ordentlich gewohnt. Aber was ich hier zu sehen bekomme, ... vollgeschimmelte Spülbecken, versiffte Waschbecken, Badmobilar mit zentimeterdicken Staubschichten und Wollmäusen in den Ecken, dazwischen alte Zahnbürsten und Cremedosen, die so verstaubt sind, dass ich wirklich nicht weiß, ob sie noch benutzt werden. Nicht nur einmal habe ich da freiwillig den Putzlappen geschwungen. Die Putzmittel sind übrigens so scharf, dass man den Dreck trotz jahrelanger Verkrustung spielend abbekommt :) Wobei man dabei natürlich auch abwägen muss, ob man damit nicht die Hausfrauenqualitäten der Mutter in Frage stellt. Manchmal heißt es also einfach Augen zu und durch.
Für mich ist das einfach unverständlich. Diese Menschen baden jeden Tag und waschen sich davor Ewigkeiten, um wirklich porentief sauber zu sein. Aber was die Wohnung angeht...

Dienstag, 27. Mai 2008

Nagasaki

Vor einer Woche habe ich mir einen Abstecher nach Nagasaki gegönnt und damit den westlichsten Punkt meiner Reise sowie gleichzeitig die westlichste Stadt Japans erreicht. Und das nicht nur im geografischen Sinne...


... Auch wenn den meisten Nagasaki hauptsächlich wegen des zweiten Atombomenabwurfs bekannt sein mag, so hat die Stadt, die an der Einwohnerzahl gemessen der Größe Leipzigs entspricht, historisch doch noch eine Menge mehr zu bieten:
In Nagasaki landeten im 16. Jahrhundert die ersten Europäer in Japan, siedelten sich an und begannen das Christentum in Japan zu verbreiten. Das allerdings war dem Shôgun so gar nicht geheuer und so wurde das Christentum verboten, jene, die sich widersetzen, ermordet und obendrein wurde Japan für gut 250 Jahre (1600-1853)abgeriegelt, um sich nicht weiterer solcher "Gefahren" auszusetzen.

Der einzige Hafen, in dem man Europäern den Handel gestattete, war Nagasaki. So entstand ein Zentrum für europäische Kultur und Wissenschaft, dessen Errungenschaften man heute im Museum der Stadt wie auch im Stadtbild wieder entdecken kann.

Mir persönlich hat Nagasaki sehr gefallen. An einer schmalen Bucht gelegen, von Bergen gesäumt befindet sich ein nicht unerheblicher Teil der Wohnhäuser in Hanglage, was der Stadt etwas ganz eigenes gibt. Auch Glover Garden, die ehemalige Residenz eines einflussreichen britischen Gentleman, ist hier gelegen.


Neben den vielen Blumen, kleinen Springbrunnen und schicken westlichen Häusern (die mich irgendwie an amerikanischen Western erinnerten) hat man einen sehr schönen Blick über die Bucht. Angenehm war auch, dass ich im Prinzip alles zu Fuß erreichen konnte. Für weitere Strecken wie zum Epizentrum der Atombombe etwas außerhalb des Stadtzentrums bin ich für 100 Yen mit einer der etwas antiquarisch wirkenden Straßenbahnen gefahren. Aber das ging ganz gut - im Gegensatz zu Hiroshima, wo ich das Gefühl hatte mich in Zeitlupe zu bewegen. Nicht zuletzt war auch mein Hostel recht idyllisch an einem kleinen Fluss mit zahlreichen Brücken - darunter die berühmte Megane-Bashi (Brillen-Brücke) - gelegen. Das als solches ausgewiesene "Vergnügungsviertel" der Stadt fand ich am abend allerdings eher öde. Irgendwie fiel es mir sogar schwer, etwas leckeres zu Essen zu finden. Aber dafür konnt ich mich ja vorm Schlafen gehn noch kurz mit einem kleinen Bierchen an den Fluss setzen, den Kranichen zuschauen, wie sie auch im Dunkeln noch nach Fischen Ausschau hielten und den Tag so mit guter Musik auf den Ohren ausklingen lassen.

Freitag, 23. Mai 2008

Vagabunden-Leben eines Wwoofers

Dass man als Wwoofer von Zeit zu Zeit recht starke Nerven braucht, hat der gestrige Tag mal wieder eindrucksvoll bewiesen.

Ohnehin hasse ich diese Tage, an denen es zum nächsten Host geht. Man sitzt im Zug, von dem man hofft das es der richtige ist, da man erst in letzter Sekunde eingestiegen ist. Man weiß nicht, was einen erwartet: Wird man mit den Leuten zurecht kommen? Was und wieviel wird es zu tun geben? Japanisches oder Westliches Frühstück? Und die wichtigste Frage: Wird das Internet funktionieren, wie man es gewohnt ist? Fragen über Fragen und keiner interessiert sich in diesem Moment dafür. In in diesen einsamen Momenten im Zug wünsche ich mir eigentlich nichts mehr als die Ansage: "Nächster Halt - Leipzig Hauptbahnhof..." So abenteurlich alles doch ist - einfach mal abends nach Hause zu kommen, die eigene Tür aufzuschließen und dann Andi und Nivi zu begrüßen ... Das vermisse ich schon.

Nun ja ... die vernuschelte Ansage im Zug hieß stattdessen: "Mamonaku - Ukiha desu" (Nächster Halt: Ukiha) Wie gewohnt bin ich zum nächsten Münztelefon und habe versucht meinen Host zu kontaktieren - eine Stunde lang. Immer nur ein Besetzt-Ton, von dem ich natürlich nicht wusste, ob er hier in Japan das gleiche bedeutet. Nun denn ... als mir der Taxifahrer am Bahnhof sagte, dass die Fahrt mindestens 3000 Yen (20 Euro) kosten würde, hatte ich mir schon die geräumige Behindertentoilette am Bahnhof als Schlafplatz ausgeguckt.
Dann fiel mir aber ein, dass ich noch die Telefonnummer vom übernächsten Host habe, der ebenfalls hier in der Gegend wohnt und habe mein Glück versucht. Der war zwar sehr überrascht, kam aber glücklicherweise um mir zu helfen. Anstatt mich dann mit zu sich zu nehmen wie ich es erwartet hätte, hat er mich beim geplanten Host abgeliefert. "Nicht dass der in Schwierigkeiten gerät, wenn ich nicht komme". Wie es auf dem Dorf so ist: Jeder kennt jeden. So war es für ihn kein Problem das Restaurant zu finden. Praktisch. Und mal wieder ein Musterbeispiel japanischer Hilfsbereitschaft.

Hier ist nun wieder alles ganz anders aber wie immer ganz ok. Ein rustikales spanisches Restaurant mit dem Namen Ibiza, geführt von mehreren jungen Leuten zwischen 20 und 30. Mitten im Nirgendwo schlängeln sich hier etwa ein halbes Dutzend kleine Gebäude - also Restaurant, Ofuro (Bad), Internetraum und Schlafhütten über 500 Meter die Dorfstraße entlang. Meine eigene kleine Einraum-Hütte befindet sich mitten im Wald, so dass ich abends tatsächlich auf eine Taschenlampe angewiesen bin, um sie zu finden. Aber irgendwie auch gemütlich. Außerdem wird hier Schwarzbrot gebacken, welches auch wirklich schmeckt, wie wir es gewohnt sind. Neben den vielen jungen Leuten gibt es auch noch eine andere Wwooferin, Rebecca (17!) aus Schweden. So verging der erste Tag heute trotz Unkraut-Rupfens wie im Flug.

Mittwoch, 21. Mai 2008

Beppu - Hier brodelt die Erde

Die Pension meines letzten Hosts, in der ich ausgeholfen habe, befand sich in der Nähe von Beppu. Ein Ort, der es nicht zu Weltruhm gebracht hat, für Japan jedoch ein reizvolles Ausflugsziel ist. Hier brodelt und dampft es und zum ersten Mal habe ich gesehen, das die Erde im Inneren tatsächlich verdammt heiß sein muss.

In Beppu befinden sich die meisten und heißesten Onsen in ganz Japan. So habe ich mir im ältesten Onsen der Stadt, dem Takegawara-Onsen, noch ein Sandbad gegönnt, bevor es in den normalen Onsen ging. Da wird man samt Yukata (=jap. dünner Baumwollbademantel) in warmen Sand eingebuddelt, der wohl aus dem Rand einer Quelle entnommen ist und dem besonders heilsame Wirkungen nachgesagt werden.


Darüber hinaus gibt es hier die sogenannten Jigoku - zu deutsch: Höllen. Das sind Quellen, die mit Temperaturen knapp unter hundert Grad definitiv zu heiß zum Baden sind. Zudem lädt der schweflige Geruch nach verfaulten Eiern auch nicht gerade zum Baden ein.
Nichts desto trotz sind sie sehr schön anzuschauen. Ein echtes Spektakel möchte ich fast sagen. Es gibt insgesamt 9 Jigoku, von denen ich 4 besucht habe. Am faszinierendsten fand ich das satt türkis-blaue Wasser der Umi-Jigoku (Meeres-Hölle), das wirklich am brodeln ist und wo als Attraktion sogar Eier gekocht werden, die man natürlich im dazugehörigen Souvenir-Shop kaufen kann.


Unter anderem gibt es auch eine Jigoku mit Krokodilen, die es sich im warmen Wasser gut gehen lassen, wie es die Beschreibung versprach. In Wirklichkeit sind hier aber nur unzählige große und kleine Krokodile zusammen gepfercht. Nicht so doll. Um so hinreißender dafür die Chi-no-ike-Jigoku (Blutteich-Hölle). Wie der Name schon ankündigt: Blutrotes, sich kaum regendes Wasser, von dem permanent Dampf aufsteigt. Gruselig.


Insgesamt sehr beeindruckend. Auch, dass überall in der Stadt Dampf aufsteigt. Sei es aus den Ventilen der Onsen, Ritzen im Boden oder auch aus Gulli-Deckeln...

Freitag, 16. Mai 2008

Strahlenbelastung in Hiroshima

Hier ein kleiner Nachtrag dazu, ob noch immer Auswirkungen der Atombombe in Hiroshima zu bemerken sind. Ich muss zugeben, dass ich bis vor einiger Zeit nicht einmal wusste, dass Hiroshima und Nagasaki heute wieder pulsierende Großstädte sind. Schließlich kennt man die Bilder aus Tschernobyl, wo das AKW-Unglück 1986 nichts weiter als eine unheimliche Geisterstadt hinterlassen hat. Sehr bedrückender, aber unbedingt anschauenswerter Link übrigens.

Nun habe ich ein wenig gegoogelt und herausgefunden, dass man die Kernschmelze in Tschernobyl nicht mit den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki vergleichen kann.

Während bei den Bomben der größte Teil der Energie in Hitze und eine Druckwelle umgewandelt wurde, wurde in Tschernobyl nahezu die gesamte Energie in radioaktive Strahlung umgewandelt. Das Ausmaß der Zerstörung war also den immens hohen Temperaturen und der Druckwelle geschuldet, nicht der Strahlung. Hinzu kommt, dass es verschiedene Arten radioaktiver Teilchen gibt: Kurzlebige und langlebige. Der Anteil der kurzlebigen war bei den Atombomben besonders hoch. Was den geringen Teil der langlebigen Isotope angeht, die noch nach tausenden Jahren in Gesteinen nachweisbar sind, so wurden diese bereits während der Zündung der Bombe in 600 Metern Höhe vom Wind weitergetragen. Zudem hat ein Taifun kurz nach der Katastrophe jene Teilchen ausgewaschen und in die Ozeane dieser Welt getragen.

Was Gendefekte in Folgegenerationen betrifft, so kann man festhalten, dass umfanreiche Studien bis heute keine Unterschiede zu anderen Großstädten herausfinden konnten.

Soviel kurz und oberflächlich zu den Fakten. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass mir trotzdem nicht wohl bei dem Gedanken wäre, dort leben zu müssen. Ich weiß nicht, ob ich diesen "Fakten" trauen kann. Schließlich werden in Japan unangenehme Wahrheiten gern mal tot geschwiegen und hatte man denn eine andere Wahl, als die Städte wieder aufzubauen? Durch die Berge und den daraus resuliertenden Platzmangel kann man es sich in Japan einfach nicht leisten, Geisterstädte an der Küste brach liegen zu lassen. Aber ich mag mir kein Urteil anmaßen. Es ist nur mein subjektives Gefühl, was man mir bitte erlauben möchte.