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Dienstag, 8. Juli 2008

WWOOF-Erfahrung // Hokkaido 2/3: Shirektoko

Fürs erste die letzte Meldung von der WWOOF-Front. Morgen gehts ab nach Tôkyô, und dann nicht nur zur Durchreise. Eine Woche werde ich mich schon mal eingewöhnen, bevor Andi nächste Woche auch aufschlagen wird *Freu*

Den WWOOF-Aufenthalt hier in Saitama hab ich mal spontan um 4 Tage verkürzt. Nach einer Woche finde ich, reicht mir der Armee-Ton. Es ist zwar alles nicht schlimm und sicher bin ich durch meine letzten Hosts auch verwöhnt. Aber man kanns auch übertreiben mit der WWOOFER-Arbeit. Wie schon gesagt:

7:00 Auf's Feld raus und ernten
8:00 Früchstück machen
9:00 Frühstücken / Abwasch
9:30 Entweder ernten, Tiere füttern oder Gemüse packen
11:30 Mittag kochen
12:30 Mittag essen / Abwasch
MITTAGSPAUSE!!!
15:00 Wieder raus aufs Feld
16:30 Tea-Time
18:00 Abendbrot machen / essen / abwaschen

Hört sich gar nich so schlimm an. Isses auch nicht. Die anderen 5 Wwoofer machen's ja auch mit. Aber ich kann den Ton nicht leiden. Und für das Pensum finde ich, müsste man zusätzlich bezahlt werden.

Naja, sei es drum. Hier nun noch ein paar letzte Eindrücke von meinem Ausflug in die Natur Hokkaidos, bevor es morgen in den Großstadt-Dschungel geht.


Die Tiere hatte ich noch gar nicht erwähnt. Während ich anfangs noch ganz erstaunt war, mal ein Reh neben der Straße stehen zu sehen und gleich die Kamera gezückt habe, wurden sie auf der Shriretoko-Halbinsel schon fast zur Plage.



Man konnte sich hier tatsächlich nicht trauen schneller als 50 km/h zu fahren. Die Tiere standen dort tatsächlich in ganzen Herden, bzw. Gruppen zu 5 oder so neben und auf der Straße. Anfangs hab ich mich noch über die Spiegel in den Kurven der 2-spurigen Straße gewundert. Aber sie sind wirklich nützlich, das Wild rechtzeitig zu sehen. Darüber hinaus hatte ich auch das Glück einen kleinen Bären beobachten zu können. Auf der anderen Seite des Flusses, der neben der Straße verlief, spielte der ganz versonnen mit Baumstämmen, die er hin und her rollte.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Lebenszeichen

Nur um ein kleines Lebenszeichen zu senden:
Ich habe einen wunderbaren zweiten Roadtrip in Hokkaido hinter mir und ein längerer Bericht wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Momentan habe ich nur ausnahmsweise wirklich mal viel zu tun.
Gestern bin ich hier auf einer Farm in der Präfektur Saitama, knapp 2 Stunden vom Tôkyôter Zentrum entfernt angekommen. Hier gehts sogar schon vor dem Frühstück eine Stunde aufs Feld, um die verschiedensten Gemüse zu ernten. Darüber hinaus habe ich heute - an meinem ersten Tag hier schon so viel gemacht, dass ich es gar nicht aufzählen kann. Unter anderem bin ich sogar richtig Traktor gefahren und habe den Acker glatt gezogen. Kam mir wie ein richtier Profi-Bauer vor ;)

Freitag, 27. Juni 2008

Englisch? Deutsch? Japanisch? Is' mir doch Wurst!

Das WWOOFer-Leben hier bei Uragamis in Shurui ist doch recht angenehm. 9 Uhr Frühstück, ab 11 eventuell für 2 Stunden helfen, danach Mittag und Freizeit. Neben den üblichen Aufgaben Abwaschen und Unkraut-Zupfen konnte ich hier zusammen mit den anderen beiden WWOOfern aus Hong Kong auch schon bei der Wurstherstellung helfen.


Schließlich betreibt die Familie eine kleine Fleischerei mit angeschlossenem "Meat-Restaurant". Auf der Speisekarte stehen unter anderem Weißwürste und Frankfurter als typisch deutsche Gerichte. Für mich sind das ja alles Bratwürste. Vor allem frage ich mich, ob Weißwürste in Deutschland (Bayern) nicht grundsätzlich gekocht und schlabberig wie sie sind ausgezutscht werden. Oder gibt’s die auch gebraten? Hier jedenfalls werden alle Würste gebraten und alle sind sie ziemlich klein. So ne richtig leckere Thüringer Bratwurst oder so hab ich noch nich bekommen. Leider kann ich aber mit meinem äußerst begrenzten Wurst-Wissen Uragamis auch keine hilfreichen Tipps geben - selbst wenn ich aus Deutschland komme. Na zumindest die deutschen Vokabeln kann ich mit Ihnen üben.

Dazu kommt am Nachmittag noch ein wenig Englisch. In Teilzeit gibt Frau Uragami Englisch-Unterricht für Kinder, wo ich als Deutsche natürlich eine Attraktion bin. Alle 2 Stunden werde ich dann zu einer kleinen Vorstellungs-, Frage-, Antwort-Runde gerufen und lasse mich bestaunen. Aber auf diese Weise höre ich auch vom Alltag der Kinder, der von der Mitgliedschaft verschiedenen Vereinen, Schulklubs und Nachhilfe-Unterricht geprägt ist. Wobei Nachhilfe hier obligatorisch bzw. normal zu sein scheint. Man muss dazu kein schlechter Schüler sein.

Gegen 8 gibt es wird dann meist ziemlich opulent zu Abend gegessen. Das Foto zeigt zum Beispiel Sashimi (Rohen Fisch) und Ebi-Tempura (=fritierte Garnelen). Dazu selbstverständlich Reis, Soya-Soße mit Rettich ... und Bier. Das darf ich mir hier selbst zapfen - Soviel ich will :P


Später geht’s entweder nochmal für 500 Yen (ca. 3 Euro) in den Onsen nebenan oder eben ins Ofuro im Haus. Dabei lohnt die Investition in den Onsen zu gehen durchaus: Zum einen ist er sehr atmosphärisch gestaltet. Anstatt Fließen ist alles mit Naturstein ausgelegt, es gibt ein größeres Becken, ein kleines Sprudelbecken und auch ein Rotemburo (=Außenbecken). Außerdem noch ein kaltes Becken, da auch eine kleine Sauna angeschlossen ist. Nichts besonderes, aber schön. Was aber das beste ist: Das Wasser wirkt sich tatsächlich sehr positiv auf meine Hautprobleme an den Händen aus. Es ist bekannt, dass dem Wasser eines jeden Onsen bestimmte heilende Kräfte zugeschrieben werden. Meist ist die Haut auch ganz weich, nachdem man in einem Onsen war. Aber hier habe ich es zum ersten Mal wirklich bemerkt, dass das Wasser auch heilen kann. Hat richtig was von Kuraufenthalt ;)

Sonntag, 22. Juni 2008

Into the wild - Hokkaido-Roadtrip, Teil 1

Mit offizieller Übersetzung meines Führerscheins in der Tasche bin ich am Freitag-Abend in meinen kleinen Miet-Mazda gestiegen und in Richtung Daisetusan-Nationalpark aufgebrochen.
In der Dämmerung erreichte ich mit Furano mein erstes Ziel. Diese Gegend ist der Inbegriff für leuchtende Blumenfelder, allen voran Flieder bzw. englisch "Lavender" (Is das das gleiche?). Ich entschied mich, auf einem Parkplatz zu übernachten, von dem aus man laut Reiseführer eine gute Sicht auf die Felder haben soll. Als ich gestern dann halb 5 Uhr morgens aufwachte, war die Enttäuschung groß, als es kaum etwas zu sehen gab. Zum einen hingen schwere Wolken tief über der Erde, so dass der Blick nicht sehr weit reichte und zum Zweiten war ich einfach noch ein, zwei Wochen zu früh dran :( Naja … schließlich habe ich dann doch noch ein paar Blümchen zu Gesicht bekommen.


Weiter ging es durch dicke Nebelschwaden Richtung Asahi-dake. Am Fuße des Berges angekommen, hieß es abzuwägen, ob es sich lohnt eine kleine Wanderung zu unternehmen oder doch lieber nicht. Schließlich habe ich mich dagegen entschieden, da das Wetter mir ohnehin die besten Aussichten verwehrt hätte. Außerdem waren mir die vielen Warnhinweise vor Bären doch ein wenig unheimlich, mich ganz allein und ohne Handy in die Wildnis zu begeben. Stattdessen bin ich dann morgens um 10 in eines der vielen Onsen gegangen. Da ich der erste Gast war, hatte ich sogar die Chance ein paar Fotos zu machen.





Im Anschluss wäre ich zu gern mit dem Auto quer durch die Berge gefahren. So hatte ich mir schon eine schöne Route im Atlas gekennzeichnet, auf der es keine Sackgassen zu geben schien. Allerdings scheiterte es schon daran, die erste kleine "Straße" zu finden. Auf der Suche nach Alternativ-Routen musste ich feststellen, dass es hier nur "ganz oder gar nicht" gab. Entweder gut ausgebaute asphaltierte Straßen oder unbefestigte Waldwege, die man mit Auto nicht nutzen darf. Klasse. So habe ich meine Tour also auf normalen lange geradeaus verlaufenden Straßen verbracht. Sehr schön auch die Pfeile, die zu tausenden über den Straßen angebracht sind, um die richtige Straßenseite anzuzeigen. Vielleicht aber auch, um bei viel Schnee den Weg zu weisen. Die Unsicherheit war also weniger, die richtige Straßenseite zu benutzen, als vielmehr die Frage, wie schnell ich nun eigentlich fahren darf. Wenn es Schilder gab, dann wiesen sie 50 km/h aus. Niemals mehr. Natürlich waren alle schneller unterwegs und auch ich habe mich dem angepasst. Aber bei 80 oder maximal 90 km/h war Schluss. Schneller scheint hier keiner zu fahren.

Möglicherweise auch ganz vernünftig, da die Bewohner der Wälder ringsum doch recht häufig anzutreffen sind. So habe ich auf meiner 500 Kilometer langen Tour mindestens 3 Mal Rehe und einmal einen Fuchs "getroffen". Das heißt, ich bin langsamer geworden, habe angehalten und gewartet bis das Füchslein das Auto fertig beschnuppert hatte. Die Rehe waren da doch ein wenig scheuer. Ein Bild konnte ich nur auf einem Waldweg machen, welcher für Autos freigegeben war.


Schließlich konnte ich mich so dann doch vom Auto aus von der Wildheit der geografischen Mitte Hokkaidos überzeugen. Über hunderte Kilometer gab es zwischen Asahikawa und Obihiro wirklich kaum mehr als die Straße und viel viel Wald und Berge um mich herum. Gott sei dank war der Tank gut gefüllt. Getankt habe ich zwei Mal. Einmal wie hier üblich an einer Tankstelle mit Bedienung. Man muss also nix selbst machen. Das Personal kommt zur Fahrertür, öffnet sie und zieht sogar den Hebel für den Tankdeckel am Fahrersitz selbst :) Das zweite Mal bin ich dann an eine Tanstelle mit Self-Service gefahren. Da wiederum gab es - wie ebenfalls für Japan typisch - einen Automaten. War schon seltsam, erst Geld reinzustecken und dann erst Benzin zu bekommen. Aber eigentlich ja gar nich mal so dumm.

So habe ich meine Tour erfolgreich beendet und das Auto heute mittag wieder unbeschadet bei Mazda abgeliefert.


7500 Yen Miete plus 5000 Yen Benzin hat der Spaß gekostet: Umgerechnet 75 Euro. Kann man schon mal machen. Es wird sicher nicht die letzte Tour bleiben.

Mittwoch, 18. Juni 2008

Die Schlüsselvokabel beim WWOOFen: Kusatori

Mittlerweile habe ich während meiner WWOOF-Homestays die verschiedensten Arbeiten verrichtet: Zitronen plücken, Marmelade kochen, Inhaltsverzeichnisse von Zeitschriften einscannen, Schränke reparieren, Reis aussähen, Geschirr abwaschen, Kochen, Betten machen, Staubsaugen, Bäder putzen und und und ... Aber eine Beschäftigung ist in irgendeiner Form immer dabei: Unkraut zupfen! Kusatori! Diesmal in der Hardcore-Variante. Hunderte, wenn nicht tausende kleine Mais-Pflänzchen habe ich gestern und heute vom Unkraut befreit. Morgens 2 Stunden, nachmittags 3 Stunden.


Gott sei Dank hatte ich dabei mein Hörbuch auf den Ohren, sonst wäre ich, glaub ich, verrückt geworden. Durch den Sonnenschein, der heute noch dazu kam, hatte ich am abend sogar einen kleinen Sonnenstich. Nun ja ... wir haben das Maisfeld geschafft. Leider aber zu früh gefreut. Morgen gehts wohl bei den Kürbissen weiter.
So ist das WWOOFer-Leben, wie eine Pralinen-Schachtel: Man weiß nie, was man kriegt: Eine Woche quasi Nichts-Tun, eine Woche Unkraut zupfen :/

Wer des Japanischen mächtig ist, kann übrigens auch den zum Foto gehörenden Blogeintrag meines Hosts über mich lesen. Steht aber nichts weltbewegendes drin.

Montag, 16. Juni 2008

Mir gehts gut beim Grillen (Nix vom Erdbeben bemerkt)

Zunächst mal danke jenen, die nachgefragt haben: Mir gehts gut. Von dem Erdbeben in Tohoku habe ich nichts mitbekommen. Zum Glück halte ich mich momentan weiter nördlich auf Hokkaido auf. Mit einer Stärke von 6+ auf der Japanischen Skala, die nur bis 7 geht, hat das Beben ziemlich große Schäden angerichtet. Ganze Straßen wurden weggerissen, Brücken sind zusammen gestürzt und Menschen wurden unter Erdlawinen begraben. Dass sich die Zahl der Todesopfer (momentan 10) noch in Grenzen hält, liegt daran, dass die Gegend um das Epizentrum herum recht dünn besiedelt ist. Umso schwerer haben es jetzt die Rettungstrupps, die Menschen aus dem Gebiet zu bergen.

Erfreulicher war dann doch mein gestriges Abschieds-Barbecue. Typisch Japanisch gab es alles außer Bratwürste :) Dafür gegrillte Wiener, Lamm-, Schweine- und Rindfleisch. Und nicht zu vergessen verschiedenes Meeresgetier. Als Beilage selbstverständlich Reis. Nicht etwa Toast.


Aber ich muss sagen, dass ich mich an meine täglichen 2-3 Schüsseln Reis als Standardbeilage gewöhnt habe. Ich frag mich, ob ich in Deutschland je wieder ohne auskommen werde... Oder ob die erste Anschaffung ein Reiskocher sein wird.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Niseko - Ein Skigebiet im Sommer

Nun habe ich mich doch hinaus getraut in die unendlichen Weiten Hokkaidos, die mir schon vom Flugzeug aus Respekt eingeflößt hatten. Dieses Panorama habe ich, wenn ich aus dem Fenster sehe. Yotei-zan, ein Vulkan, der wegen seiner nahezu perfekt konischen Form gern als der Fuji Hokkaidos bezeichnet wird.


Hokkaido ist sehr dünn besiedelt. Die Insel macht 20 Prozent der Fläche Japans aus, aber nur 5 Prozent der Bevölkerung lebt hier. So ist Hokkaido mit seinen vielen Nationalparks ein Paradies für Naturliebhaber und durch die Schneesicherheit im Winter eine beliebte Skiregion. In eben einem solchen Skigebiet befinde ich mich gerade. Die Region hier um Niseko bezeichnet sich selbst gern als das "St. Moritz des Ostens". Leider kann ich das nicht persönlich beurteilen. Ein Blick auf den Pistenplan hat mich aber doch beeindruckt und Lust auf mehr gemacht.
So befinde ich mich momentan auch auf keinem Bauernhof, sondern helfe in einem kleinen Hotel aus. Selbiges befindet sich in einer Siedlung mehrerer kleiner Penionen und Hotels, die so gar nicht japanisch anmuten. Mein erster Gedanke, als ich die Blockhütten ringsum gesehen habe, war: Finnland. Die Sauna im Haus - made in Finland - hat diesen Eindruck perfekt gemacht.

Schon als ich mit dem Zug vom Flughafen nach Sapporo gefahren bin, habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt noch in Japan bin. Die Häuser sahen sehr westlich aus. Kein einziges "typisch japanisches Holzhaus", wie ich sie in West-Japan kennengelernt habe. Das mag zum einen an den Temperaturen liegen, die noch unter denen in Deutschland liegen. Zum anderen wohl aber auch daran, dass die Insel erst seit der Meiji-Zeit (1868-1912) von den Japanern in Beschlag genommen wurde. Vorher lebten hier die Ainu, die Ureinwohner Japans. Selbige werden im übrigen seit letzter Woche (!) offiziell auch als solches Volk mit eigener Kulur akzeptiert. Jedenfalls hat man die Ainu, wie andere Ureinwohner in anderen Teilen der Erde, brutal verdrängt und die Insel japanisiert. Da mit der Meji-Zeit westliches Kulturgut, also auch der Baustil, in Mode kam, hat man den natürlich auf der neuen Insel gleich umgesetzt.

Gestern haben wir einen Familienausflug zum Toyako (ko=See) gemacht. Dort findet in vier Wochen das G8-Treffen statt und wir haben uns mal das Hotel angeschaut, in dem die Herrschaften dann residieren werden. Abgelegen auf einem Berg mit Ausblick über den See, in dessen Mitte sich eine Insel erhebt. Leider konnten wir diesen Anblick nicht genießen, da es recht neblig war.

Beeindruckend fand ich den Shôwa-Shinzan ein paar Kilometer weiter. Dieser Gesteinsklotz hat sich wohl erst 1943 nach einer Reihe Erdbeben aus dem Boden erhoben, ist dann über zwei Jahre "gewachsen", bis er seine jetzige Höhe von knapp 400 Metern erreicht hat.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Reinlichkeit

Ich habe länger darüber nachgedacht, ob ich dieses Thema hier im Blog ansprechen soll. Eigentlich widerstrebt es mir zu verallgemeinern und nach sechs Hosts ist es vielleicht auch nicht angemessen, von "den Japanern" zu sprechen. Aber es muss einfach mal raus! Was mir aber immer wieder auffällt ist das mangelnde Hygienebewusstsein im Haushalt. Während ich die Räume, in die Besucher kommen, meist pickobello ordentlich und sauber vorgefunden habe, ist mir in Küche und Bad oftmals das kalte Grausen gekommen. Mal mehr mal weniger schlimm. Ich verzichte an dieser Stelle mal lieber auf Bilder.
Möglicherweise bin ich es von zu Hause wirklich sehr ordentlich gewohnt. Aber was ich hier zu sehen bekomme, ... vollgeschimmelte Spülbecken, versiffte Waschbecken, Badmobilar mit zentimeterdicken Staubschichten und Wollmäusen in den Ecken, dazwischen alte Zahnbürsten und Cremedosen, die so verstaubt sind, dass ich wirklich nicht weiß, ob sie noch benutzt werden. Nicht nur einmal habe ich da freiwillig den Putzlappen geschwungen. Die Putzmittel sind übrigens so scharf, dass man den Dreck trotz jahrelanger Verkrustung spielend abbekommt :) Wobei man dabei natürlich auch abwägen muss, ob man damit nicht die Hausfrauenqualitäten der Mutter in Frage stellt. Manchmal heißt es also einfach Augen zu und durch.
Für mich ist das einfach unverständlich. Diese Menschen baden jeden Tag und waschen sich davor Ewigkeiten, um wirklich porentief sauber zu sein. Aber was die Wohnung angeht...

Freitag, 23. Mai 2008

Vagabunden-Leben eines Wwoofers

Dass man als Wwoofer von Zeit zu Zeit recht starke Nerven braucht, hat der gestrige Tag mal wieder eindrucksvoll bewiesen.

Ohnehin hasse ich diese Tage, an denen es zum nächsten Host geht. Man sitzt im Zug, von dem man hofft das es der richtige ist, da man erst in letzter Sekunde eingestiegen ist. Man weiß nicht, was einen erwartet: Wird man mit den Leuten zurecht kommen? Was und wieviel wird es zu tun geben? Japanisches oder Westliches Frühstück? Und die wichtigste Frage: Wird das Internet funktionieren, wie man es gewohnt ist? Fragen über Fragen und keiner interessiert sich in diesem Moment dafür. In in diesen einsamen Momenten im Zug wünsche ich mir eigentlich nichts mehr als die Ansage: "Nächster Halt - Leipzig Hauptbahnhof..." So abenteurlich alles doch ist - einfach mal abends nach Hause zu kommen, die eigene Tür aufzuschließen und dann Andi und Nivi zu begrüßen ... Das vermisse ich schon.

Nun ja ... die vernuschelte Ansage im Zug hieß stattdessen: "Mamonaku - Ukiha desu" (Nächster Halt: Ukiha) Wie gewohnt bin ich zum nächsten Münztelefon und habe versucht meinen Host zu kontaktieren - eine Stunde lang. Immer nur ein Besetzt-Ton, von dem ich natürlich nicht wusste, ob er hier in Japan das gleiche bedeutet. Nun denn ... als mir der Taxifahrer am Bahnhof sagte, dass die Fahrt mindestens 3000 Yen (20 Euro) kosten würde, hatte ich mir schon die geräumige Behindertentoilette am Bahnhof als Schlafplatz ausgeguckt.
Dann fiel mir aber ein, dass ich noch die Telefonnummer vom übernächsten Host habe, der ebenfalls hier in der Gegend wohnt und habe mein Glück versucht. Der war zwar sehr überrascht, kam aber glücklicherweise um mir zu helfen. Anstatt mich dann mit zu sich zu nehmen wie ich es erwartet hätte, hat er mich beim geplanten Host abgeliefert. "Nicht dass der in Schwierigkeiten gerät, wenn ich nicht komme". Wie es auf dem Dorf so ist: Jeder kennt jeden. So war es für ihn kein Problem das Restaurant zu finden. Praktisch. Und mal wieder ein Musterbeispiel japanischer Hilfsbereitschaft.

Hier ist nun wieder alles ganz anders aber wie immer ganz ok. Ein rustikales spanisches Restaurant mit dem Namen Ibiza, geführt von mehreren jungen Leuten zwischen 20 und 30. Mitten im Nirgendwo schlängeln sich hier etwa ein halbes Dutzend kleine Gebäude - also Restaurant, Ofuro (Bad), Internetraum und Schlafhütten über 500 Meter die Dorfstraße entlang. Meine eigene kleine Einraum-Hütte befindet sich mitten im Wald, so dass ich abends tatsächlich auf eine Taschenlampe angewiesen bin, um sie zu finden. Aber irgendwie auch gemütlich. Außerdem wird hier Schwarzbrot gebacken, welches auch wirklich schmeckt, wie wir es gewohnt sind. Neben den vielen jungen Leuten gibt es auch noch eine andere Wwooferin, Rebecca (17!) aus Schweden. So verging der erste Tag heute trotz Unkraut-Rupfens wie im Flug.

Dienstag, 13. Mai 2008

Seto-Naikai: Die japanische Inlandsee


Als wir gestern von unserer kleinen Dorfveranstaltung nach Hause kamen, war die Abendluft von einem wohlriechenden Duft erfüllt. Ich fragte Masaki-san, was das sei und er erklärte mir, dass die Orangenblüten jetzt anfingen zu blühen und dass im Sommer die ganze Insel in diesen Duft gehüllt sei. Dank des milden Klimas wachsen hier das ganze Jahr über Zitrusfrüchte, denn auch jetzt sehe ich überall Zitronen und verschiedene Mikan- (=Orange) Arten an den Bäumen. So vergeht kaum ein Tag bei den Yokomotos, an dem wir nicht Marmelade herstellen, Zitronen pflücken oder Unkraut zwischen den - zu meinem Leidwesen - äußerst niedrigen Bäumen jäten. Hier ein Bild meiner aktuellen Wwoof-Mutter Keiko in der Marmeladen-Küche:


Zum Duft der Früchte kommt die atmosphärische Lage der Insel inmitten der japanischen Inlandsee, einem Binnenmeer, das durch die großen japanischen Inseln Honshû im Norden, Shikoku im Süden und Kyûshû im Westen begrenzt wird. Die einzigartige Meereslandschaft ist durch tausende kleine Inseln geprägt und wirklich schön anzusehen. So wurden weite Gebiete der Seto-Naikai bereits 1934 zum Nationalpark erklärt und sind heute ein beliebtes Urlaubsziel. Sozusagen das Mittelmeer Japans. Mein letzter Host, Taniguchi-san, erklärte mir sogar, dass der Teil der Inlandsee bei Ushimado, an dem wir dort waren, als "Nihon no Ege" (Japanische Ägäis) bezeichnet wird.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Sightseeing und Farmarbeit in West-Honshu

[Erklärung zur Überschrift: Honshu ist die größte der 4 japanischen Hauptinseln]

Mittlerweile sind tatsächlich schon 4 Wochen Japan ins Land gegangen. Der Sommer hat entgültig Einzug gehalten und mittlerweile bin ich beim dritten Host auf einer Insel östlich von Hiroshima angekommen. Ich vermag nicht zu sagen, ob die Zeit schnell verging. An den vielen Dingen, die ich schon gesehen und erlebt habe, kommt es mir vor, als sei ich schon ewig hier. Andererseits vergeht die Zeit so aber auch wie im Flug.

Nächste Woche geht es weiter nach Kyushu, die südlichste der japanischen Hauptinseln, Anfang Juni fliege ich dann in den Norden nach Hokkaido und dann ist auch schon Juli und ich werde mich in Tokyo mit Andi treffen.

Letzte Woche habe ich mir Himeji-Jô, das größte Schloss Japans angeschaut, welches als einziges tatsächlich noch in seinem hölzernen Originalzustand von Anfang des 16. Jahrhunderts erhalten ist und seit 1993 zum Weltkulturerbe zählt.


So langsam füllt sich meine Liste... Zurück in Deutschland sollte ich mich auch dort mal umschauen, was es da so an Weltkulturerbe gibt. Tipps?

Außerdem habe ich einen Tag im Koraku-Koen verbracht, einem der drei schönsten Parks Japans in Okayama. Hier findet man japanische Gartenkultur wie man sie sich vorstellt. Akkurat zurecht gestutzte (oder wachsen die so?) kugelförmige Büsche mit hübschen Blüten. Weite Rasenflächen, die man leider Gottes kaum betreten darf. Hier und da ein Teehaus und natürlich kleine Bäche, Wasserfälle und die dazugehörigen Kois.



Was die Farmarbeit der letzten Woche angeht, so hab ich mehr oder minder fleißig Erdbeeren geplückt, aber mehr noch meine Freizeit genossen.


Irgendwie hatte es Taniguchi-san nicht so mit der rationalen Arbeit. Ich glaube, das, was ich da in ner Woche gemacht hab, hätte man an 2 Tagen bewerkstelligen können. Naja ... ich will mich ja nich beschweren. Denn auch mein bisher größtes Abenteuer habe ich dort erlebt: Ich bin - ob ihrs glaubt oder nicht - Auto gefahren. Ganz allein, auf der linken Straßenseite, mit dem Lenkrad rechts und dem Blinker mit der rechten Hand zu bedienen.


Ok - das Auto hatte Automatik und auf den 15 km zum Strand und zurück musste ich nur 2x abbiegen. So war es eigentlich gar nich so schwer. Aber erlaubt isses glaub ich trotzdem nich - ohne internationalen Führerschein...

Nun bin ich gespannt, was mir diese Woche bringen wird. Der erste Tag hier bei den Yokomotos auf Osakikamijima (jima = Insel) war aber sehr angenehm. Hier bin ich bereits Wwoofer Nr. 27. Es gibt einen geregelten Tagesablauf, die Freizeit kommt auch nich zu kurz und ... hier wird Japanisch gesprochen. Englisch gibts hier nur im Notfall. Es klappt aber eigentlich ganz gut! Yokatta! (Ich freue mich)

Mehr Bilder wie immer bei Flickr!

Freitag, 25. April 2008

Alltag bei den Nishikuramoris

Die kleine Familie besteht aus Mutter Shigemi, die ständig auf Trab ist. Wenn sie nicht auf Arbeit ist, geht es u.a. ans Reis pflanzen. Recht fleißig dabei helfen Nana (15) und Yasunori (13), die für meine Begriffe doch ziemlich selbständig sind. Sie haben am ersten Tag, als ihre Mutter morgens nicht da war, sogar mein Mittag noch vor der Schule vorbereitet.


Möglicherweise liegt das daran, dass Shigemi wirklich jede Hilfe gebrauchen kann, da der Vater nur alle drei Monate von der Arbeit in Yokohama nach Hause kommt. Und schließlich haben wir noch Obachan (=Oma), die mit ihren 84 Jahren auch immer was beizutragen hat, wovon ich allerdings noch nie ein Wort verstanden habe.


Vom wilden hin und her schieben der Türen werde ich jeden Morgen gegen 6 geweckt. Das hat ungefähr die gleiche Qualität wie Türen knallen in unseren Breiten. In der Küche gehts dann genauso hektisch zu wie bei uns, wenn die Stullen für die Schulkinder fertig gemacht werden müssen. Nur dass die Stullen eben aus Reis mit diversen Gemüse und Ei bestehen. Meine Aufgabe is dabei das Tamagoyaki (=gebratenes Ei in gerollter Form).

Danach gibts die verschiedensten Sachen zu tun. In den letzten Tagen wurde mein Talent Sachen zu ordnen entdeckt. So hab ich gestern den ganzen Tag Bücher sortiert, heute ein Zimmer aufgeräumt ... Und hier gibt es viel zu räumen und zu putzen. Das is mit deutscher Ordnungsliebe nur schwer vereinbar. Außerdem gibts ab und an was zu basteln. So habe ich gestern an einem Schrank rumgebohrt und geschraubt, heute 2 Schreibtischkästen getunt - also verlängert. Kam mir schon ein wenig vor wie Daniel Düsentrieb.


Am Abend wird dann zusammen gegessen. Da es gestern und heute recht frisch war sogar im Wohnzimmer am Kotatsu. Das is ein Tisch, der über einer im Boden eingelassenen Feuerstelle steht. Auf dem Tisch liegt eine dicke Decke, worunter man dann seine Beine steckt um sie direkt an den glühenden Kohlen zu wärmen. Sehr gemütlich.


Es wird geschwätzt, fernsehn geschaut ... eigentlich wie bei uns auch. Nach und nach verschwindet man ins Ofuro (=Bad). Also nich nur im Hotel, sondern auch hier is jeden Tag Baden angesagt. Und ich muss doch sagen, dass ich mich daran gewöhnen könnte. Gegen 11 bette ich mich dann auf meinen Futon und kuschel ich mich in die 3 Decken, die mich vor der frischen Nachtluft schützen. Alles also sehr entspannt hier - für mich jedenfalls. Morgen zum Samstag kann ich wohl endlich mal ausschlafen - bis halb 8. Ich bin sehr gespannt, ob sie bis dahin die Türen still halten können.

Dienstag, 22. April 2008

Start ins Landleben

Nun bin ich tatsächlich angekommen. Auf dem Lande. Es ist schon ein gewaltiger Bruch von der grellen, lauten, aber auch lebendigen und bunten japanischen Großstadt, die man mit deutschen Maßstäben einfach nicht messen kann, ins japanische Inaka (=Land) zu kommen. Das hat schon mehr mit Deutschland gemein als die Stadt.
Dennoch ist alles ganz anders. Ich kenne so gut wie nichts, was hier im Kühlschrank ist und die Aussage "Kochst du dein Mittag selbst?" kann ich nur mit einem Schmunzeln erwiedern. Ganz zu schweigen davon, dass es sich hier um ein "echtes japanisches Holzhaus" handelt.


Von außen sieht man es dem Haus kaum an: Recht groß, geziegeltes Dach. Wer rechnet da mit dünnen Schiebetüren, die jede Wand überflüssig machen? Ich glaube, hier gibt es tatsächlich keine Wände. Theoretisch könnte man einen großen Saal aus dem Haus machen. Nun ja ... die Arbeit geht dennoch leicht von der Hand. Bissl beim Kochen helfen, was ich doch sehr spannend finde. Morgen soll ich das Bento (=das jap. Pausen-Essen) für die Kinder alleine machen. Ich werde berichten... Ansonsten hier und da ein wenig Unkraut jäten, Zwiebeln ernten,... nichts außergewöhnliches eigentlich. Ich habe schon noch recht viel Freizeit. Zeit zum Blog schreiben ;) Sehenswürdigkeiten gibt es hier nämlich eher nicht. Nur Berge. Könnte also auch noch wandern gehn.