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Dienstag, 8. Juli 2008

WWOOF-Erfahrung // Hokkaido 2/3: Shirektoko

Fürs erste die letzte Meldung von der WWOOF-Front. Morgen gehts ab nach Tôkyô, und dann nicht nur zur Durchreise. Eine Woche werde ich mich schon mal eingewöhnen, bevor Andi nächste Woche auch aufschlagen wird *Freu*

Den WWOOF-Aufenthalt hier in Saitama hab ich mal spontan um 4 Tage verkürzt. Nach einer Woche finde ich, reicht mir der Armee-Ton. Es ist zwar alles nicht schlimm und sicher bin ich durch meine letzten Hosts auch verwöhnt. Aber man kanns auch übertreiben mit der WWOOFER-Arbeit. Wie schon gesagt:

7:00 Auf's Feld raus und ernten
8:00 Früchstück machen
9:00 Frühstücken / Abwasch
9:30 Entweder ernten, Tiere füttern oder Gemüse packen
11:30 Mittag kochen
12:30 Mittag essen / Abwasch
MITTAGSPAUSE!!!
15:00 Wieder raus aufs Feld
16:30 Tea-Time
18:00 Abendbrot machen / essen / abwaschen

Hört sich gar nich so schlimm an. Isses auch nicht. Die anderen 5 Wwoofer machen's ja auch mit. Aber ich kann den Ton nicht leiden. Und für das Pensum finde ich, müsste man zusätzlich bezahlt werden.

Naja, sei es drum. Hier nun noch ein paar letzte Eindrücke von meinem Ausflug in die Natur Hokkaidos, bevor es morgen in den Großstadt-Dschungel geht.


Die Tiere hatte ich noch gar nicht erwähnt. Während ich anfangs noch ganz erstaunt war, mal ein Reh neben der Straße stehen zu sehen und gleich die Kamera gezückt habe, wurden sie auf der Shriretoko-Halbinsel schon fast zur Plage.



Man konnte sich hier tatsächlich nicht trauen schneller als 50 km/h zu fahren. Die Tiere standen dort tatsächlich in ganzen Herden, bzw. Gruppen zu 5 oder so neben und auf der Straße. Anfangs hab ich mich noch über die Spiegel in den Kurven der 2-spurigen Straße gewundert. Aber sie sind wirklich nützlich, das Wild rechtzeitig zu sehen. Darüber hinaus hatte ich auch das Glück einen kleinen Bären beobachten zu können. Auf der anderen Seite des Flusses, der neben der Straße verlief, spielte der ganz versonnen mit Baumstämmen, die er hin und her rollte.

Sonntag, 6. Juli 2008

Hokkaido-Roadtrip 2/2: Akan NP - Zum See der Götter

Gegen 5:30 schäle ich mich am Dienstag Morgen aus meinem Schlafsack. Sogleich befrage ich das Navigationssystem nach dem nächsten Conbini und begebe mich auf den Weg dorthin. Hier gibt es alles, was man am Morgen so braucht: Frühstück und Toilette zum frisch machen. Nun kann der Tag beginnen. Auch wenn es noch neblig ist, ist es bereits sehr hell und man spürt, dass die Sonne nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.
Mit Green-Day im CD-Player fahre ich zu meinem ersten Tages-Ziel: Ein Onsen bzw. Rotemburo (=unter freiem Himmel) direkt am Kussharo-See gelegen, ohne viel Schnick Schnack. Ein kleines Badehäuschen, wo man seine Sachen ablegen kann, gibt es. Sonst nichts als die Aussicht auf den See. Perfekt. Und während ich mich so ins heiße Wasser gleiten lasse, stelle ich fest, dass der Himmel hier und da schon aufreißt und es wieder ein schöner Tag zu werden scheint. Außerdem bemerke ich nun auch die Blasen an meinen Füßen, die meine gestrige Wanderung gefordert hat. Gut, dass ich mich heute nur im Auto fortbewegen werde.
So geht’s zunächst an die gegenüberliegende Seite des Sees, wo der Sand ganz warm ist, so dass man diesen Strand zum Sand-Onsen erklärt hat. Wie im Takegawara-Onsen in Beppu (Kyûshû) kann man sich auch hier einbuddeln lassen. Lasse ich aber diesmal bleiben. Nicht dass das Seeungeheuer plötzlich auftaucht, was es hier geben soll: Die japanische Variante von Nessie. Vom Sand-Onsen geht’s weiter zum Fuß-Onsen in Kawanoyu. Hört sich schon irgendwie witzig an. Aber von diesen gibt es eben auch zahlreiche in Japan.
Der Mashû-See ein paar Kilometer ist ein Caldera-See, sprich ein mit Wasser gefüllter Vulkankrater. Er wird ausschließlich von Schmelz- und Regenwasser gespeist und ist somit unwirtlich für Tiere und Pflanzen. Allerdings hat er dadurch so klares Wasser, dass er im Jahr 1931 eine Sicht von 40 Metern in die Tiefet erlaubte und damit sogar den Baikalsee übertraf. Heute werden wohl Sichtweiten um die 20 Meter gemessen. Ich kann das nicht nachprüfen, aber das Wasser war schon einzigartig blau und im Kontrast zu dem umgebenden Grün ein einzigartiger Anblick. In der Sprache der Ureinwohner Japans, der Ainu, heißt der See wohl auch nicht ohne Grund "Göttersee".

Freitag, 4. Juli 2008

Hokkaido Roadtrip, Teil 2/1: Akan NP - Tanz auf dem Vulkan


Auch wenn mein letzter Roadtrip rund um den Daisetsusan-Nationalpark nicht schlecht war, hatte ich zunächst Zweifel, ob ich die zweite Tour wirklich machen sollte. Im Osten der Insel ist es schließlich immer noch ein wenig kühler als im ohnehin frischen Hokkaido. Im Nebel bei 12 Grad irgendwo rumfahren und dann auch noch 3 Nächte im Auto übernachten is ja auch nich grad das größte Vergnügen. Schließlich aber stehe ich am Sonntag abend doch wieder beim Auto-Verleih und wieder werden mir die Schlüssel zu einem kleinen Mazda ausgehändigt. Gleiches Modell, diesmal schicker in anthrazit.
Auf geht es Richtung Akan-Nationalpark und Shiretoko-Halbinsel. Die folgenden 2 Tage sind so reich an atemberaubender Natur, dass schon die Beschreibung des ersten Tages den Umfang eines gewöhnlichen Blogeintrages sprengt und auch meine Flickr-Galerie wieder um einiges umfangreicher geworden ist...

Nach einer unbequemen Nacht im Auto beginnt der Montag für mich um 5:30. Auf der Suche nach einer Dose heißen Kaffees, die es hier in Getränkeautomaten gibt, fahre ich verschlafen die Landstraße entlang. Gegen halb 7 werde ich fündig und auch die Sonne kämpft sich so langsam durch den Morgen-Nebel. Ich genieße mein Frühstück bestehend aus jener Dose Café o Lait, einer Banane und einem Croissant.
Nun kann der Tag beginnen. Mit 3 Doors Down im CD-Player fahre ich Richtung Meakan-Dake. Der mit 1499 Metern höchste Berg im Nationalpark und zudem noch ein aktiver Vulkan, den man dennoch ohne große Schwierigkeiten erklimmen können soll. Prima. Das Wetter passt. Ich freue mich auf meine Wandertour.
 Gegen 10, als sich der Nebel auch am Fuße des Berges (700 m.ü.NN) gelichtet hat, mache ich mich auf den Weg. Am Beginn des Weges steht eine Art Vogelhäuschen. Im Inneren befindet sich eine Liste, in die man sich einträgt, wenn man den Berg besteigt. Vor mir sind heute bestimmt schon 20 Leute losgezogen. Die ersten gegen 4:30.
 Über Wurzeln und Felsen kletternd, immer Ausschau haltend nach der nächsten Weg-Markierung erreiche ich nach vielleicht einer Stunde die Baumgrenze. Kannte ich bisher nur aus dem Geografie-Unterricht. Auf dem Weg zum Gipfel wird die Vegetation also immer niedriger, bis sie schließlich in eine Gesteinslandschaft übergeht. Zum Teil sehr beängstigend. Ein falscher Schritt und es geht bergab.
Von hier aus jedoch habe ich einen atemberaubenden Blick über den Nationalpark. Grün so weit das Auge reicht und im strahlend blau-türkisfarbenden Wasser des Onneto-Sees am Fuße des Vulkans spiegelt sich die Landschaft wieder.


Schaue ich nach oben, ist auch der Gipfel nicht mehr weit. Nach einigen Mühen dort angekommen beeindruckt mich zunächst das kraftvolle Schnaufen des Vulkans, das sich nach einer riesigen Dampfmaschine anhört. Aus den Wänden des Kraters, in den ich von hier aus blicken kann, strömen die Gase, die mitunter stark nach Schwefel riechen und wohl auch giftig sind, wenn man sie zu tief einatmet. Dass sich das Gestein an den Austrittsstellen grün verfärbt hat spricht ja auch eine eindeutige Sprache. Blicke ich mich um, so erkenne ich eine weitläufige Vulkanlandschaft. Theoretisch könnte ich mich jetzt auf einen weiteren 4-stündigen Marsch durch selbige entscheiden. Da dass meine Kräfte aber übersteigen würde, mache ich mich an den Abstieg. Eine recht rutschige Angelegenheit über den Gesteinsschotter. Schließlich wieder im Wald angekommen geht es wie von allein. Ich springe beschwingt über die Wurzeln und überhole sogar zwei andere Wandergruppen. Das hab ich bergauf nicht geschafft ;)
Gegen 15:00 unten angekommen freue ich mich, nun endlich zu dem heißen Wasserfall gehen zu können, der mir der Reiseführer groß verspricht. Sogar ein Handtuch hab ich eingepackt. Dort angekommen muss ich aber leider feststellen, dass das Wasser nur lauwarm und der Boden zudem Schlamm bedeckt ist. Naja … dafür sollen hier ganz seltene Minerale wachsen.
Erschöpft, aber stolz auf mich selbst gehe ich vorbei am Onneto-See, den ich zuvor schon von oben bewundern konnte, zurück zum Auto. Mittlerweile habe ich auch den MP3-Player ausgepackt, da sich die Strecke die Straße entlang doch ganz schön zieht. Nachdem ich aber höre, welche Strapazen Hape Kerkeling so auf dem Jacobsweg erträgt, geht das Laufen wie von allein.


Schließlich schlängele ich mich noch ein paar Kilometer die Straße entlang zum morgigen Ausgangspunkt. Im Rückspiegel das Panorama des Berges, den ich heute erklommen habe. Die Sonne geht langsam unter. Sehr stimmungsvoll. Alanis Morisette passt perfekt.


Da ich heute jedoch nichts als Bananen und Croissants gegessen habe, genieße ich diese Abendstimmung nicht allzu lang, sondern mache mich auf die Suche nach einem Restaurant. Ich bestelle mit den Worten: "Dore demo ii" (Alles ist recht), gebe noch eine wage Vorstellung ab, was ich gerne hätte, denn das Studieren der Speisekarte is mir jetzt zu anstrengend. Als Belohnung bekomme ich ein ausgezeichnetes Menü bestehend aus Kushikatsu (=frittierte Fleischspieße), Spargelsalat, Reis, Miso-Suppe und verschiedenen Tsukemono (=sauer eingelegtes Gemüse). Nebenbei erfahre ich, dass Spanien Europa-Meister geworden ist und muss an euch alle denken, die ihr am Sonntag sicher vor den TV-Geräten mit gefiebert habt...

Freitag, 27. Juni 2008

Englisch? Deutsch? Japanisch? Is' mir doch Wurst!

Das WWOOFer-Leben hier bei Uragamis in Shurui ist doch recht angenehm. 9 Uhr Frühstück, ab 11 eventuell für 2 Stunden helfen, danach Mittag und Freizeit. Neben den üblichen Aufgaben Abwaschen und Unkraut-Zupfen konnte ich hier zusammen mit den anderen beiden WWOOfern aus Hong Kong auch schon bei der Wurstherstellung helfen.


Schließlich betreibt die Familie eine kleine Fleischerei mit angeschlossenem "Meat-Restaurant". Auf der Speisekarte stehen unter anderem Weißwürste und Frankfurter als typisch deutsche Gerichte. Für mich sind das ja alles Bratwürste. Vor allem frage ich mich, ob Weißwürste in Deutschland (Bayern) nicht grundsätzlich gekocht und schlabberig wie sie sind ausgezutscht werden. Oder gibt’s die auch gebraten? Hier jedenfalls werden alle Würste gebraten und alle sind sie ziemlich klein. So ne richtig leckere Thüringer Bratwurst oder so hab ich noch nich bekommen. Leider kann ich aber mit meinem äußerst begrenzten Wurst-Wissen Uragamis auch keine hilfreichen Tipps geben - selbst wenn ich aus Deutschland komme. Na zumindest die deutschen Vokabeln kann ich mit Ihnen üben.

Dazu kommt am Nachmittag noch ein wenig Englisch. In Teilzeit gibt Frau Uragami Englisch-Unterricht für Kinder, wo ich als Deutsche natürlich eine Attraktion bin. Alle 2 Stunden werde ich dann zu einer kleinen Vorstellungs-, Frage-, Antwort-Runde gerufen und lasse mich bestaunen. Aber auf diese Weise höre ich auch vom Alltag der Kinder, der von der Mitgliedschaft verschiedenen Vereinen, Schulklubs und Nachhilfe-Unterricht geprägt ist. Wobei Nachhilfe hier obligatorisch bzw. normal zu sein scheint. Man muss dazu kein schlechter Schüler sein.

Gegen 8 gibt es wird dann meist ziemlich opulent zu Abend gegessen. Das Foto zeigt zum Beispiel Sashimi (Rohen Fisch) und Ebi-Tempura (=fritierte Garnelen). Dazu selbstverständlich Reis, Soya-Soße mit Rettich ... und Bier. Das darf ich mir hier selbst zapfen - Soviel ich will :P


Später geht’s entweder nochmal für 500 Yen (ca. 3 Euro) in den Onsen nebenan oder eben ins Ofuro im Haus. Dabei lohnt die Investition in den Onsen zu gehen durchaus: Zum einen ist er sehr atmosphärisch gestaltet. Anstatt Fließen ist alles mit Naturstein ausgelegt, es gibt ein größeres Becken, ein kleines Sprudelbecken und auch ein Rotemburo (=Außenbecken). Außerdem noch ein kaltes Becken, da auch eine kleine Sauna angeschlossen ist. Nichts besonderes, aber schön. Was aber das beste ist: Das Wasser wirkt sich tatsächlich sehr positiv auf meine Hautprobleme an den Händen aus. Es ist bekannt, dass dem Wasser eines jeden Onsen bestimmte heilende Kräfte zugeschrieben werden. Meist ist die Haut auch ganz weich, nachdem man in einem Onsen war. Aber hier habe ich es zum ersten Mal wirklich bemerkt, dass das Wasser auch heilen kann. Hat richtig was von Kuraufenthalt ;)

Sonntag, 22. Juni 2008

Into the wild - Hokkaido-Roadtrip, Teil 1

Mit offizieller Übersetzung meines Führerscheins in der Tasche bin ich am Freitag-Abend in meinen kleinen Miet-Mazda gestiegen und in Richtung Daisetusan-Nationalpark aufgebrochen.
In der Dämmerung erreichte ich mit Furano mein erstes Ziel. Diese Gegend ist der Inbegriff für leuchtende Blumenfelder, allen voran Flieder bzw. englisch "Lavender" (Is das das gleiche?). Ich entschied mich, auf einem Parkplatz zu übernachten, von dem aus man laut Reiseführer eine gute Sicht auf die Felder haben soll. Als ich gestern dann halb 5 Uhr morgens aufwachte, war die Enttäuschung groß, als es kaum etwas zu sehen gab. Zum einen hingen schwere Wolken tief über der Erde, so dass der Blick nicht sehr weit reichte und zum Zweiten war ich einfach noch ein, zwei Wochen zu früh dran :( Naja … schließlich habe ich dann doch noch ein paar Blümchen zu Gesicht bekommen.


Weiter ging es durch dicke Nebelschwaden Richtung Asahi-dake. Am Fuße des Berges angekommen, hieß es abzuwägen, ob es sich lohnt eine kleine Wanderung zu unternehmen oder doch lieber nicht. Schließlich habe ich mich dagegen entschieden, da das Wetter mir ohnehin die besten Aussichten verwehrt hätte. Außerdem waren mir die vielen Warnhinweise vor Bären doch ein wenig unheimlich, mich ganz allein und ohne Handy in die Wildnis zu begeben. Stattdessen bin ich dann morgens um 10 in eines der vielen Onsen gegangen. Da ich der erste Gast war, hatte ich sogar die Chance ein paar Fotos zu machen.





Im Anschluss wäre ich zu gern mit dem Auto quer durch die Berge gefahren. So hatte ich mir schon eine schöne Route im Atlas gekennzeichnet, auf der es keine Sackgassen zu geben schien. Allerdings scheiterte es schon daran, die erste kleine "Straße" zu finden. Auf der Suche nach Alternativ-Routen musste ich feststellen, dass es hier nur "ganz oder gar nicht" gab. Entweder gut ausgebaute asphaltierte Straßen oder unbefestigte Waldwege, die man mit Auto nicht nutzen darf. Klasse. So habe ich meine Tour also auf normalen lange geradeaus verlaufenden Straßen verbracht. Sehr schön auch die Pfeile, die zu tausenden über den Straßen angebracht sind, um die richtige Straßenseite anzuzeigen. Vielleicht aber auch, um bei viel Schnee den Weg zu weisen. Die Unsicherheit war also weniger, die richtige Straßenseite zu benutzen, als vielmehr die Frage, wie schnell ich nun eigentlich fahren darf. Wenn es Schilder gab, dann wiesen sie 50 km/h aus. Niemals mehr. Natürlich waren alle schneller unterwegs und auch ich habe mich dem angepasst. Aber bei 80 oder maximal 90 km/h war Schluss. Schneller scheint hier keiner zu fahren.

Möglicherweise auch ganz vernünftig, da die Bewohner der Wälder ringsum doch recht häufig anzutreffen sind. So habe ich auf meiner 500 Kilometer langen Tour mindestens 3 Mal Rehe und einmal einen Fuchs "getroffen". Das heißt, ich bin langsamer geworden, habe angehalten und gewartet bis das Füchslein das Auto fertig beschnuppert hatte. Die Rehe waren da doch ein wenig scheuer. Ein Bild konnte ich nur auf einem Waldweg machen, welcher für Autos freigegeben war.


Schließlich konnte ich mich so dann doch vom Auto aus von der Wildheit der geografischen Mitte Hokkaidos überzeugen. Über hunderte Kilometer gab es zwischen Asahikawa und Obihiro wirklich kaum mehr als die Straße und viel viel Wald und Berge um mich herum. Gott sei dank war der Tank gut gefüllt. Getankt habe ich zwei Mal. Einmal wie hier üblich an einer Tankstelle mit Bedienung. Man muss also nix selbst machen. Das Personal kommt zur Fahrertür, öffnet sie und zieht sogar den Hebel für den Tankdeckel am Fahrersitz selbst :) Das zweite Mal bin ich dann an eine Tanstelle mit Self-Service gefahren. Da wiederum gab es - wie ebenfalls für Japan typisch - einen Automaten. War schon seltsam, erst Geld reinzustecken und dann erst Benzin zu bekommen. Aber eigentlich ja gar nich mal so dumm.

So habe ich meine Tour erfolgreich beendet und das Auto heute mittag wieder unbeschadet bei Mazda abgeliefert.


7500 Yen Miete plus 5000 Yen Benzin hat der Spaß gekostet: Umgerechnet 75 Euro. Kann man schon mal machen. Es wird sicher nicht die letzte Tour bleiben.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Niseko - Ein Skigebiet im Sommer

Nun habe ich mich doch hinaus getraut in die unendlichen Weiten Hokkaidos, die mir schon vom Flugzeug aus Respekt eingeflößt hatten. Dieses Panorama habe ich, wenn ich aus dem Fenster sehe. Yotei-zan, ein Vulkan, der wegen seiner nahezu perfekt konischen Form gern als der Fuji Hokkaidos bezeichnet wird.


Hokkaido ist sehr dünn besiedelt. Die Insel macht 20 Prozent der Fläche Japans aus, aber nur 5 Prozent der Bevölkerung lebt hier. So ist Hokkaido mit seinen vielen Nationalparks ein Paradies für Naturliebhaber und durch die Schneesicherheit im Winter eine beliebte Skiregion. In eben einem solchen Skigebiet befinde ich mich gerade. Die Region hier um Niseko bezeichnet sich selbst gern als das "St. Moritz des Ostens". Leider kann ich das nicht persönlich beurteilen. Ein Blick auf den Pistenplan hat mich aber doch beeindruckt und Lust auf mehr gemacht.
So befinde ich mich momentan auch auf keinem Bauernhof, sondern helfe in einem kleinen Hotel aus. Selbiges befindet sich in einer Siedlung mehrerer kleiner Penionen und Hotels, die so gar nicht japanisch anmuten. Mein erster Gedanke, als ich die Blockhütten ringsum gesehen habe, war: Finnland. Die Sauna im Haus - made in Finland - hat diesen Eindruck perfekt gemacht.

Schon als ich mit dem Zug vom Flughafen nach Sapporo gefahren bin, habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt noch in Japan bin. Die Häuser sahen sehr westlich aus. Kein einziges "typisch japanisches Holzhaus", wie ich sie in West-Japan kennengelernt habe. Das mag zum einen an den Temperaturen liegen, die noch unter denen in Deutschland liegen. Zum anderen wohl aber auch daran, dass die Insel erst seit der Meiji-Zeit (1868-1912) von den Japanern in Beschlag genommen wurde. Vorher lebten hier die Ainu, die Ureinwohner Japans. Selbige werden im übrigen seit letzter Woche (!) offiziell auch als solches Volk mit eigener Kulur akzeptiert. Jedenfalls hat man die Ainu, wie andere Ureinwohner in anderen Teilen der Erde, brutal verdrängt und die Insel japanisiert. Da mit der Meji-Zeit westliches Kulturgut, also auch der Baustil, in Mode kam, hat man den natürlich auf der neuen Insel gleich umgesetzt.

Gestern haben wir einen Familienausflug zum Toyako (ko=See) gemacht. Dort findet in vier Wochen das G8-Treffen statt und wir haben uns mal das Hotel angeschaut, in dem die Herrschaften dann residieren werden. Abgelegen auf einem Berg mit Ausblick über den See, in dessen Mitte sich eine Insel erhebt. Leider konnten wir diesen Anblick nicht genießen, da es recht neblig war.

Beeindruckend fand ich den Shôwa-Shinzan ein paar Kilometer weiter. Dieser Gesteinsklotz hat sich wohl erst 1943 nach einer Reihe Erdbeben aus dem Boden erhoben, ist dann über zwei Jahre "gewachsen", bis er seine jetzige Höhe von knapp 400 Metern erreicht hat.

Dienstag, 3. Juni 2008

Sapporo - Verlaufen ausgeschlossen


Als ich am Samstag in Chitose, dem Flughafen von Sapporo, aus dem Flugzeug stieg, habe ich meine Entscheidung hier nach Hokkaido zu fliegen erst einmal zutiefst bereut. Von den knapp 30 Grad in Fukuoka waren gerade mal zehn übrig geblieben. Winter!
Vor einigen Wochen hatte ich im Fernsehen gesehen, dass plötzlich 30 Grad in Hokkaido seien und die Leute es kaum fassen können. Eine solche Hitze Anfang Mai! Dass es kurz darauf nochmal geschneit hat, habe ich nur beiläufig gehört und schnell wieder aus meinem Kopf gestrichen. Aber lange Rede, kurzer Sinn. Seit Montag haben wir angenehme 20 Grad und die Sonne scheint. So hatte ich mir das schon eher vorgestellt und so macht es auch Spaß, die Stadt zu erkunden.


Nirgends ist mir das bisher leichter gefallen als hier. Die Straßen folgen absolut streng einem Schachbrettprinzip. So hat jeder Block seine Koordinaten. Mein Hotel beispielsweise befindet sich in Süd9-West3, der Hauptbahnhof in Nord5-West3. Sehr praktisch. So ist es nahezu unmöglich sich zu verlaufen und die im Reiseführer beschriebenen Adressen findet man auch auf Anhieb. Den Nullpunkt dieses Koordinatensystems bildet der TV-Tower, von dem aus sich in westlicher Richtung ein breiter Grünstreifen erstreckt. Dieser bildet die x-Achse (na, wer hat in Mathe aufgepasst? ... die horizontale Achse) des Systems, die die Stadt in Nord und Süd teilt. Ein ganz schöner Park in mitten der Stadt, in dem es sich jung und alt gut gehen lässt. Auch einen Steinwurf von meinem Hotel entfernt befindet sich ein größerer Park.


Nicht zuletzt wegen der geometrischen Straßenzüge merkt man es der Stadt an, dass sie sich aus einer streng geplanten Siedlung entwickelt hat. Das ist aber meiner Meinung nach gar nicht mal negativ zu sehen. Die Straßen sind breit, es gibt viele Bäume und auch relativ viel Platz zwischen den Gebäuden, wie man ihn in anderen japanischen Großstädten vergeblich sucht. Man kann sich hier schon wohlfühlen. Zumindest als Tourist. Ich habe ein wenig den Eindruck nur Hotels zu sehen. Wohnhäuser habe ich bisher kaum bemerkt. Aber das mag auch daran liegen, dass ich ja hier im Touristen-Hotel-Bezirk wohne.

Sapporo ist mit 1,8 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt Japans. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war Sapporo lediglich eine kleine Fischerstadt, in der die Ureinwohner Hokkaidos, die Ainu, lebten. Mit der Errichtung einer Post 1821, der Erklärung Sapporos zur Haupststadt Hokkaidos mit Beginn der Meiji-Zeit wurden die Grundlagen für die Entwicklung der Stadt gelegt. Auch die dritte große Eisenbahnlinie Japans entstand 1880 hier.

1972 fanden in Sapporo Olympische Winterspiele statt und jedes Jahr locken die Eis- und Schneeskulpturen des berühmten Yuki-Matsuri (Schnee-Festival) Touristen aus aller Welt an.
Leider ... oder aber auch Gott sei Dank bekomme ich das aber dieses Jahr nicht mehr zu sehen :)


Hier übrigens ein kleiner Beitrag zum Grund für meine Flucht gen Norden: Die Regenzeit, die aktuell in Tokyo begonnen hat und die mit Ausnahme Hokkaidos ganz Japan im Juni heimsucht.